Mehr als hundert Jahre nach Dvořák schrieb Naji Hakim (*1955 in Beirut) 1999 seine „Messe solennelle“, zu Deutsch die „feierliche Messe“. Sie verbindet die traditionelle liturgische Form mit einer rhythmisch lebendigen Tonsprache, die von Hakims Herkunft im Libanon und von französischer Orgelmusik geprägt ist.
Chor und Orgel sind außergewöhnlich verflochten
Außergewöhnlich ist die enge Verflechtung von Chor und Orgel. Die Orgel begleitet nicht nur, sondern macht die Messe zum strahlenden Erlebnis. Die „Messe solennelle“ folgt der französischen Tradition und enthält kein Credo, da dieses von der Gemeinde gesprochen wird.
Als Hakim die „Messe solennelle“ schrieb, waren einige seiner Kompositionen bereits international ausgezeichnet worden. Sie wurde 2000 in Manchester uraufgeführt. Später folgte auch eine Orchesterfassung.
Hakims Liebe zur Orgel
Hakim entdeckte bereits als Fünfjähriger seine Liebe zur Orgel. Ihr Klang in seiner Kirche in Beirut berauschte ihn. Er selbst sagt: „Von da an wusste ich, dass ich dieses Instrument spielen wollte.” Diesem Wunsch blieb er treu.
… zeigt sich in Kompositionen voller Vielfalt
Als Kind nahm er Klavierunterricht, brachte sich selbst an seiner Schulkapelle das Orgelspiel bei, unter anderem mit Lehrbüchern von Marcel Dupré (1886–1971). Nach einer Ingenieursausbildung in Beirut ging Hakim nach Paris und studierte Musik, unter anderem bei Jean Langlais (1907–1991). Am Pariser Konservatorium absolvierte er höchst erfolg-
reich das Orgelstudium. Seit den 80er-Jahren erschafft er eine beeindruckende Vielfalt an Kompositionen: Orgelsoli, Werke für Orgel und Instrumente sowie Instrumental-, symphonische und Vokalmusik.
… und in den Kirchen von Paris
Als Organist wirkte Hakim seit 1985 an der Basilique du Sacré-Cœur in Montmartre. 1993 kam als Nachfolger von Olivier Messiaen (1908–1992) für 15 Jahre als Titularorganist zur Église de la Sainte-Trinité. Danach lehrte er als Professor am Conservatoire National de Région de Boulogne-Billancourt sowie als Gastprofessor an der Royal Academy of Music in London.
„Gott ehren und Menschen glücklich machen”
Bei seinem Schaffen schöpft Hakim aus vielfältigen Quellen: gregorianischem und maronitischem Gesang, den Chorälen Luthers, dänischen Hymnen, Folklore, der Heiligen Schrift, Poesie sowie dem Werk anderer Komponisten wie Stravinsky, Messiaen, Gershwin, Bach und Langlais.
In einem Interview 2023 fasste er sein musikalisches Wirken so zusammen: „Alles was ich tue, ist, um Gott zu ehren und Menschen glücklich zu machen.“ Mit seinem Zitat „Musik ist das Wort des Unaussprechlichen“ drückt Naji Hakim aus, dass Musik eine Möglichkeit bietet, das auszudrücken, was nicht mit Worten gesagt werden kann.
Gefragter Organist und Komponist unserer Zeit
Heute zählt Naji Hakim zu den gefragtesten Organisten und Komponisten unserer Zeit. Seine Werke werden in Kirchen und Konzerthäusern weltweit aufgeführt. Er selbst ist als Konzertorganist in ganz Europa zu hören – nicht nur mit eigenen Kompositionen, sondern auch mit Improvisationen und Werken von Bach bis Messiaen.
Auch gemeinsam mit seiner Frau ist Hakim in Konzerten zu erleben. Er ist verheiratet mit der Musikwissenschaftlerin, Komponistin und Organistin Marie-Bernadette Dufourcet. Das Paar lebt in Bayonne.
Die „Messe solennelle“ ist eine von fünf Messen Hakims
Die „Messe solennelle“ ist eine von insgesamt fünf Messen, in denen Hakim unterschiedliche musikalische Genres zum Ausdruck bringt. Die weiteren sind die Solomessen „Missa resurrectionis“ für Sopran (1994) und die „Missa cum jubilo“ für Cello solo (2020) sowie die A-Capella-Messen „Missa redemptionis“ (1995) und „Missa Brevis“ (auch „Grazer Messe“, 2012).
Heute zum ersten Mal in Berlin – in Anwesenheit des Komponisten
Naji Hakims „Messe solennelle“ wird heute in ihrer ursprünglichen Fassung für Chor und Orgel zum ersten Mal in Berlin aufgeführt. Naji Hakim und Marie-Bernadette Dufourcet werden bei der Berliner Erstaufführung anwesend sein.




